Google StreetView – viel Lärm um Nichts?

Dank Google hat unsere Medienlandschaft ja glücklicherweise genug Stoff um das Sommerloch zu stopfen. StreetView ist mittlerweile in aller Munde und wird fast schon totdiskutiert – als gäbe es keine wichtigeren Probleme.

Mittlerweile diskutiert auch unsere Bundesregierung und die Regierungen der Länder über Möglichkeiten, Google StreetView gesetztlich zu reglementieren. Doch was ist dran an dem ganzen Trouble? Mehr unter “read more..”

Die Vorwürfe

1) Die Persönlichkeitsrechte von Passanten und Anwohnern könnten verletzt werden.

Korrekt, grundsätzlich hat jeder das Recht am eigenen Bild/Eigentum. Das würde bedeuten, dass Photos von Personen und/oder Gebäuden an sich nicht ohne Zustimmung des Eigners veröffentlich werden dürfen, sofern die Person oder das Gebäude das Hauptmotiv eines Bildes ist.

Die Frage ist, ob man in so einem Gesamtprojekt noch von Einzelpersonen oder Einzelhäusern sprechen kann?!

2) Google Street View erleichtert Einbrechern entsprechend lukrative Gebäude auszuspähen

Ach ja? Google hat auch nur die Möglichkeit Gebäude von der Straße aus zu photografieren. Das bedeutet es können keine andere Ansichten gewonnen werden, als jeder beim vorbeifahren/vorbeilaufen gewinnen kann. Zudem sind die Bilder ja nach kurzer Zeit bereits veraltet, da es sich ja nicht um Live-Aufnahmen handelt. Welchen Wert haben die Bilder also? Jeder Einbrecher kann sich die Informationen deutlich valider vor Ort “besorgen”.

3) Google StreetView ermöglicht das Scoring gewisser Gegenden

Scoring von Gebäuden hinsichtlich der Kaufkraft, des möglichen Umsatzvolumens, der Kreditwürdigkeit und ähnlichem sind längst Realität. Was genau soll Google daran verbessern? Heute im Radio kam die Idee, dass der Banker bei Kreditvergabe noch kurz das Haus des Antragstellers online begutachten könnte, um dieses Bild in die Entscheidung mit einfließen zu lassen.

Nochmal, die Daten sind nicht live. Fehler und Schäden an Gebäuden sind also möglicherweise nicht mehr vorhanden oder erst nach Aufnahme des Bildes entstanden. Das Aussehen des Hauses lässt auch nicht zwingend auf das Innenleben oder den Wert schließen. Zudem sollten einem Bank die “guten” und “schlechten” Viertel seiner Stadt durchaus auch so bekannt sein.

4) Die Bilder des Hauses und möglichen Gegenständen vor dem Haus sind für Jedermann online einsehbar

Stimmt, aber auch für jeden der am Haus vorbei geht oder fährt. Insbesondere da Google StreeView gerade nur in den großen Städten geplant ist, sehen also ohnehin tausende Menschen, was später wenige mehr möglicherweise im Internet sehen würden

Andere Risiken im Internet

Weiters bietet das Netz Risiken, über die kaum jemand spricht.

1) Social Communities/Networks

Hier werden sämtliche Daten geteilt, die deutlich interessanter für Dritte sein können.

Anfangen von Gruppenmitgliedschaften in “Saufen ist mein Hobby” oder “Ich glühe vor dem Vorglühen vor”, die möglicherweise einem interessanten Arbeitsverhältniss im Wege stehen. Weiters Informationen über Hobbies, Kinder (die sich selbst nicht vor der Veröffentlichung schützen können) und Adressdaten.

Das, verbunden mit Informationen über aktuelle Tätigkeiten wie “ich bin dann mal zwei Wochen im Urlaub” öffnen kriminellen Energien möglicherweise Tür und Tor.

2) Cashback

Für wenige Cashback-Punkte, die dann in “wertlose” Prämien gewandelt werden können offenbare viele ihr komplettes Leben.

Wann kauft eine Person wo und für wieviel Geld ein? Welche Produkte werden gekauft? Wie oft werden gewisse Produkte konsumiert? Werden immer die gleichen oder ständig wechselnde Produkte gekauft?

Das alles lässt (theoretisch) Rückschlüsse auf viele Dinge zu:

a) Wie gesund ernährt sich eine Person? Werden ständig nur fettige Dinge, Chips, Limonade und DVDs gekauft? Dies alles lässt Rückschlüsse auf den aktuellen und den möglichen zukünftigen Gesundsheitszustand einer Person zu. Sicherlich spannend für jede Krankenkasse – wenn die Daten weitergegeben werden (dürften).

b) Werden eher Markenprodukte gekauft oder Discount? Werden hochpreisige Elektronikartikel und neue Multimedia Tools gekauft? Mittels Cashback lassen sich leicht Scoringwerte für die Teilnehmer erstellen, die auch eine validere Basis haben, als lediglich den Wohnort.

3) Geoprofile

Tools wie Maps (ja, auch Google), Fourquare oder geobasierte Apps auf Smartphones ermöglichen es komplette Bewegungsprofile von Usern zu erstellen.

Fazit:

Es gibt viele deutlich größere Probleme als StreeView. Insbesondere sollte es wichtigere Dinge für unsere Regierung geben.

Wer immernoch Probleme mit der Veröffentlichung hat, kann ja mittlerweile bei Google Einspruch einlegen und so der Veröffentlichung seines Wohnhauses entgehen.

Aber, das alles ist nur meine Meinung – ich bin gespannt auf eure…. :)

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3 Kommentare.

  1. Dieses ganze gerede über Streetview ist nur ein weiterer Beweis das unserer Politiker das Internet immer noch nicht verstanden haben. Bei Panoramio regt sich auch niemand auf und dort gibt es geo-tagged Bilder seit 5 Jahren.
    Die Presse versucht aber auch nur das Sommerloch zu stopfen.

  2. Ergänzung:

    Hier kann die Unkenntlichmachung des eigenen Hauses/Gebäudes bei Google Streetview beantragt werden:
    https://streetview-deutschland.appspot.com/submission

  3. Bald kommt ja Google-Homeview –> http://www.youtube.com/watch?v=OMFBuHsKXb0

    :smile:

    Typisch Deutschland, wenn die Volksvertreter auf unseren Rechten durch Abhörgesetze, Ankäufe von Datenträgern aus anderen Ländern, Speicherung von Telefon- Surf- Mail- *- Daten über Monate hinweg, der Videoüberwachung in Stadt und Land und zahlreichen anderen Stasi/Gestapo Methoden herumtrampeln (Volks-ver-TRETER -> ahh, jetzt!) sagt niemand was. Aber wenn The Big G unser Leben etwas erleichtern möchte (ich finde Google Maps und Streetview top), dann laufen die scheinheiligen Heuchler und ihre Gefolgsschergen von RTL und Co. Sturm. Volksverblödung sei Dank, hatten wir das nicht bereits vor 75 Jahren? :evil:

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